- Werk:
Kunst am Bau:
Künstler/in: Renata Grünenfelder und Mathis Hipp, «Du musst jetzt nach Hause gehen»,
Adresse: Tramdepot, Tramstrasse 29, 8050 Zürich
Eigentümerin: Stadt Zürich , VBZ
Bauherrschaft, Stadt Zürich, Hochbauamt
Jahr: 2011
«Bei Neubauten, Erweiterungen und Instandsetzungen der Stadt Zürich wird ein bestimmter Prozentsatz für die Kunst eingesetzt. Die Fachstelle Kunst und Bau des Amts für Hochbauten erarbeitet dafür Strategien und kuratorische Konzepte. Sie führt Wettbewerbe und Studienaufträge durch und begleitet die Umsetzung von innovativen Projekten. Mit Veranstaltungen und Publikationen werden die realisierten Werke der Nutzerschaft und dem interessierten Publikum nähergebracht. Die Vernetzung mit Kunstschaffenden und Fachleuten, die Begleitung von Kunstvorhaben bei Baugenossenschaften sowie Unterhalt und Bewirtschaftung der Werke sind weitere wichtige Arbeitsfelder der Fachstelle.»
http://www.stadt-zuerich.ch/kunstundbau
www.stadt-zuerich.ch/kunstundbau
- Räumliche und städtebauliche Situation
- Nordfassade des Tramdepots an der Tramstrasse 29, 8050 Zürich Örlikon
- Vis à vis Parkplatz von Rennbahn, gegenüber Theater 22 und nahe Hallenstadion
- «Nichtort» (Weder Wohnviertel, noch richtiges Industriegebiet)
- Ungemütlicher Ort, an dem man nicht bleiben möchte. Es hat nichts Schönes
- Fassade ist momentan eingerüstet. Man sieht das Kunstwerk kaum.
- Bezüge (Kunstgeschichte und sonstiges)
- Kunst mit Schrift, z.B. Stefan Sagmeister,
- Spiel mit Schrift, Schriftzeichen, Wort-Bedeutung
- Graffiti: z.B. Banksy, der seinen Bildern konkret noch Text hinzufügt.
- Songzeile aus dem Song «Nach Hause gehen» der Band Aeronauten.
Aeronauten:
Angefangen haben die Aeronauten zu Anfang der 1990er Jahre ursprünglich als Punkkapelle, die sich unter anderem am britischen Pop der frühen 1980er Jahre orientierten. Davon geblieben ist vor allem ihre Vorliebe für kurze, tanzbare Stücke und ihre postmoderne Respektlosigkeit, mit der sie sämtliche Stilepochen der Populärmusik für sich nutzbar machen. Sie kamen auf den Namen «Aeronauten», weil der Sänger Olifr gern Modellflugzeuge bastelte. Und Fliegen ist ein Traum, der ihnen allen gefiel, „denn wir sind Aeronauten und das ist unsre kleine Welt“ (Zitat aus dem Titellied der ersten Platte 1:72, die Zahl ein Modellfliegermaßstab).
Mathis Hipp ist Mitbegründer und war viele Jahre Bassist der Band.
- Stimmen (Presse, Passanten, etc.)
Kaum Pressestimmen gefunden. Das könnte entweder als Indiz für eine breite Zustimmung und Akzeptanz dieses Werks sein oder auch dafür, dass es einfach niemandem als Kunst auffällt.
- Aussehen, Materialität:
- Entstanden im Zuge des Erweiterungsbaus des Tramdepots
- Dieses Projekt wurde ausgeschrieben und das Duo Grünenfelder/Hipp hat 2007 den Wettbewerb gewonnen.
- Der überraschende Effekt wird durch in die Betonfassade eingelassene Dreiecksprismen erzielt: Die Sequenz «Du musst jetzt» ist nur von einer Seite (Nordwest, Sternen Oerlikon) und nur innerhalb eines bestimmten Spektrums lesbar. Der zweite Teil des Satzes «nach Hause gehn» ist von der anderen Seite (Nordost, Hallenstadion, Rennbahn). Der zweite Teil des Satzes schimmert in der Nacht, da die Farbe mit Metallpartikel angereichert wurde.
- Länge des Schriftzugs (36 m) und Höhe der VBZ-blauen Lettern (3, 5 m) sind in der klassischen Helveticaschrift gehalten und entsprechen in Grösse und Höhe den Dimensionen der in der Halle abgestellten Cobra-Trams.
- Eigene performative Interaktion:
Um das Werk zu erfassen, muss man sich bewegen und die ganze Nordfassade abschreiten.
- Portrait Künstler/in:
| Renata Grünenfelder | Mathis Hipp |
| Geb. 1967 in Savogin GRQuereinsteigerin, ursprüngl. dipl. PflegefachfrauVideokünstlerin, Plastikerin und Filmemacherin. Kunst am Bau. Seit 2005 Zusammenarbeit mit Hipp Mathis (Halbbild Halbton, audiovisuelle Produktionen) Angewandte Kunst, Design, Film, Videokunst, Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Installation | Geboren 1965 in RomanshornSpielte 23 Jahre als Bassist der Band „Die Aeronauten“. Studium der Anthropologie in Zürich Ab 2000 Videoassistent am Lehrstuhl für Bildnerisches Gestalten, Abteilung Architektur an der ETH Zürich. 2005 Gründung der eigenen Firma Halbbild Halbton in Zürich.Produktion von Dokumentationen und Dokumentarfilmen mit Schwerpunkt Sounddesign und Musik.Eigene Film- und Kunstprojekte u.a. „Die Aeronauten 16:9“ und Kunst und Bau Tramdepot Oerlikon. Seit 2013 Bühnenmusiker für verschiedene Produktionen am Schauspielhaus Zürich. Verschiedene Lehrtätigkeiten im Bereich Musik. |
- Wirkung/Aussage
- Nimmt Bezug auf die Funktion des Baus: Die Botschaft spiegelt das Innenleben des Tramdepots nach aussen: hierhin müssen die Trams nach Dienstschluss gehn.
- Der Text erinnert auch an die Sachzwänge im beschleunigten Alltag, mahnt aber gleichzeitig zur Ruhe: Die Zweiteilung des Satzes auf der Fassade versinnbildlicht ebenso die Pole von Ruhe und Hektik.
- Das Quartier erhält ein grosszügiges Kunstwerk, das mit einem Augenzwinkern auf ein Grundbedürfnis seiner Bewohnerinnen und Bewohner anspielt, nach einem anstrengenden Arbeitstag in ein schützendes Zuhause gehen zu können.
„Seit Juli 2011 prangt in grossen blauen Lettern ein Satz auf der Fassade des Erweiterungsbaus des Tramdepots Oerlikon: «Du musst jetzt nach Hause gehen». Diese Botschaft – die das Innenleben des Tramdepots nach aussen spiegelt – ist nicht als Ermahnung an die Besucherinnen und Besucher des unweit gelegenen Theater 11 oder der Züspa zu verstehen. Vielmehr dürfen sich die Trams angesprochen fühlen, die mit der Einfahrt in das Depot «nach Hause gehen» müssen. Die AutorenInnen dieser Botschaft sind Renata Grünenfelder und Hipp Mathis. Das KünstlerInnen-Duo, im Bereich audiovisuelle Produktionen tätig, hat sich mit dieser witzigen und schlichten Intervention in einem Wettbewerb Kunst und Bau des Amtes für Hochbauten im Jahre 2007 durchgesetzt. Die Gesamtkosten für diese Intervention belaufen sich auf rund 125 000 Franken.“
Medienmitteilung Hochbaudepartement
- Meine Gedanken
- Witziges Wortspiel
- Vermittelt dadurch den Trams eine „Persönlichkeit“
- Bewegt, indem man den Wortlaut erst versteht, wenn man die Strecke abläuft.
- Spielerisch, Türöffner für Geschichten (Gutenachtgeschichten), nimmt dem Alltag etwas die Ernsthaftigkeit und das an einem Ort, an dem man nicht bleiben, sondern ihn möglichst schnell passieren und nach Hause möchte.
kritisch
- Kunst mit Worten hat immer auch etwas „Plakatives“.
- Wortkunst wirkt einerseits visuell durch die optische Wirkung der Schriftzeichen. Aber auch durch die Bedeutung der Worte und evtl. auch durch die lautmalerische Wirkung von Worten.
- Das hat Geschichte (Graffiti) und Potential, seine kritische Meinung Kund zu tun. Dies tut das Kunstwerk aber nicht. Evlt. könnte man es so verstehen, wenn man das Hallenstadion oder Theater 11 verlässt.
- Frage: für wen ist diese Kunst? Schmückt sich die Stadt damit?
- Wer schaut das an?


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